[Rezension] Tiere essen - Jonathan Safran Foer

Juli 28, 2017

»Eine brillante Mischung aus Recherchejournalismus und Autobiografie.« (taz)



„Wie viele junge Menschen schwankte Jonathan Safran Foer lange zwischen Fleischgenuss und Vegetarismus hin und her. Als er Vater wurde und er und seine Frau überlegten, wie sie ihr Kind ernähren würden, bekamen seine Fragen eine neue Dringlichkeit: Warum essen wir Tiere? Würden wir sie auch essen, wenn wir wüssten, wo sie herkommen? Foer recherchiert auf eigene Faust, bricht nachts in Tierfarmen ein, konsultiert einschlägige Studien und spricht mit zahlreichen Akteuren und Experten. Vor allem aber geht er der Frage auf den Grund, was Essen für den Menschen bedeutet. Auch Foer kennt die trostspendende Kraft einer fleischhaltigen Lieblingsmahlzeit, die seit Generationen in einer Familie gekocht wird. In einer Synthese aus Philosophie, Literatur, Wissenschaft und eigenen Undercover-Reportagen bricht Foer in "Tiere essen" eine Lanze für eine bewusste Wahl. Er hinterfragt die Geschichten, die wir uns selbst erzählen, um unser Essverhalten zu rechtfertigen, und die dazu beitragen, dass wir der Wirklichkeit der Massentierhaltung und deren Konsequenzen nicht ins Auge sehen.“


Es ist schon echt lange her, dass ich dieses Buch gelesen habe. Aber ich will es hier unbedingt vorstellen, da es viel in mir ausgelöst hat und mich bestätigt hat, nichts Tierisches mehr zu konsumieren. 

Aber eins gleich vorweg: Das ist kein Buch, das Missionieren als Ziel hat. Der Autor war zu dem Zeitpunkt als er angefangen hat zu schreiben, selbst noch kein Vegetarier – man erfährt quasi Schritt für Schritt, was ihn dazu bewegt hat umzudenken. Trotzdem ist er niemand, der mit dem Zeigefinger auf andere zeigt, was ich sehr angenehm fand. Er erzählt einfach wie es wirklich ist und wie er das erfahren hat. Man muss hier anmerken, dass er sich auf die Tierhaltung in Amerika bezieht, da er dort lebt. Allerdings ist hinten im Buch eine Übersicht, wie die Sachlage in Deutschland aussieht und ich kann vorwegnehmen – es nimmt sich nicht viel bis gar nichts.

Er bezieht sich auch nicht nur auf Tier-ethische Themen, sondern er recherchierte allumfassend – auch viele Umwelt- und Menschenrechtsthemen werden aufgegriffen.

Mittlerweile gibt es sehr viele Bücher zu diesem Thema. Außerdem fand man auch vorher schon alle möglichen Infos im Netz oder konnte sich bei Organisationen informieren. Jonathan Safran Foer war allerdings einer der ersten, die ein so umfassendes Buch geschrieben haben, worin man mal eine gute Übersicht bekommt, was das eigene Verhalten auf der ganzen Welt für Auswirkungen haben kann. Wenn man noch mehr wissen will, kann man sich mit seinem Quellenverzeichnis und den Angaben des Deutschen Vegetarierbundes (VEBU) auf eigene Faust durchs Grauen lesen.
 
Aber dieses Buch ist wirklich eine gute Zusammenfassung für den Anfang – so gibt es zum Beispiel relativ am Anfang ein Kapitel, das überhaupt erstmal alle wichtigen Begriffe erklärt!

Foer ist sehr gut darin, anschaulich zu schreiben. Solch ein Buch zu lesen erspart es einem, sich die ekligen Videos von PETA und Co. anschauen zu müssen, um zu verstehen, wie brutal die Wirklichkeit wirklich ist. Aber auch Zahlen und trockene Fakten bringt er anschaulich unter. Hier ein Beispiel, das verdeutlicht, wie groß der Platz ist, auf dem Hühner in der Massentierhaltung leben:

„In einer typischen Legebatterie hat jedes Huhn 0,043qm zur Verfügung – so viel wie dieses Rechteck. Die meisten freilaufenden Hühner in den USA haben ungefähr genauso viel Platz.“

Und solche random Facts kommen immer wieder zwischen verschiedenen Berichten auf Doppelseiten.

Er hat viele Leute mit verschiedenen Ansichten interviewt – von den Betreibern von Viehzuchten bis hin zu anderen Vegetariern. Das hilft, sich ein eigenes Bild zur Lage zu machen und bestätigt für mich, dass es kein Buch ist, dass metaphorisch gesprochen, mit erhobenem Zeigefinger daher kommt. Auch schlägt es nicht DEN EINEN perfekten Lösungsweg vor.


Es ist definitv ein gutes Buch für Einsteiger. Für Leute die sich gerne mit dem ganzen Thema „Tierethik“ beschäftigen wollen, aber erst einmal Fakten brauchen, wie es denn eigentlich momentan aussieht. Peter Singers „Animal Liberation“ ist sicher der Klassiker schlechthin, aber weitaus philosophischer als dieses Buch hier. Ebenso sind Filme wie „Earthlings“ und die Aufklärungsvideos von verschiedenen Tierschutzorganisationen natürlich ebenfalls hilfreich, allerdings weiß ich, dass sich nicht jeder solche grausamen Bilder anschauen kann.
„Tiere essen“ lässt sich hingegen trotz der schweren Thematik schnell und einfach lesen, man lernt viel und hat gute Quellen, mit denen man noch weiter recherchieren kann


Tiere essen | Jonathan Safran Foer | Kiepenheuer und Witsch | 9.08.10 | 400 Seiten | 19,90€



Kommentare:

  1. Hey Celine
    Ich bin selber keine Vegetarierin, aber ich gerate in letzter Zeit immer mehr ins Schwanken. Videos oder Dokumentarfilme will ich dazu nicht schauen, da ich solche Aufnahmen nicht gut vertragen kann. Ein Buch wäre da schon etwas milder :)
    Was mich am meisten davon abhält, kein Fleisch mehr zu essen ist meine gesamte Ernährung. Ich mag kein Gemüse, ich mag es einfach nicht. Und ja, ich probiere immer wieder Brokkoli, Spinat oder sonst was zu essen, aber mir schmeckt es einfach nicht. Deshalb weiss ich nicht so recht, von was ich mich als Vegetarier ernähren soll :D Vielleicht schau ich mir das Buch mal genauer an, eindrücklich klingt es auf jeden Fall!
    Liebe Grüsse
    Julia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo!
      Das kann ich sehr gut nachvollziehen, solche Videos vermeide ich auch wo es nur geht.

      Das klingt echt als wäre das eine größere Hürde :D Aber ich bin eigentlich der Meinung, dass Gemüse und Obst Menschen grundsätzlich schmeckt und dass es Gewohnheit und anerzogen ist, wenn das nicht der Fall ist. Erstens gibt es sooooo viel Gemüse, das man auf noch viel mehr Wegen zubereiten kann. Falls der Geschmack wirklich gar nicht geht, gibt es ja auch Wege, das so zu verpacken, dass es nicht mehr so stark danach schmeckt. Paniert, in einem asiatischen Curry oder sonst wie. Ich mochte früher auch gaaaaaaaanz viel nicht und hatte deswegen auch bedenken. Aber habe dann nach und nach immer mehr Rezepte gefunden, die das lecker verpackt haben und mittlerweile liebe ich eigentlich jedes Gemüse auch ohne alles :D

      Ich frage mich aber auch gerade was du eigentlich isst? Du kannst ja nicht von morgens bis abends nur Eier Milch Fleisch und Obst essen oder? :D

      Danke für deinen Kommentar :)
      Liebste Grüße
      Celine

      Löschen
    2. Ich esse sehr einseitig: Viel Reis und Pasta, hi und da ein bisschen Obst, Salat, Lasagne, Pizza, Kartoffeln in verschiedenen Variationen und ehen auch Fleisch. Dazwischen esse ich viel Krimskrams (Schokolade, Chips, Darvida, Brot etc).
      Ich versuche zumindest immer etwas Gemüse zu probieren, aber ich mag es schlicht weg nicht. Aber es ust eine gute Idee es mit irgendetwas zu vermischen. :)
      Liebe Grüsse
      Julia

      Löschen

Powered by Blogger.