Zur Uni pendeln - Meine Erfahrung

Juli 19, 2017


Das zweite Semester ist nun geschafft und somit habe ich schon ein Jahr Uni sowie Pendeln hinter mir. Hier will ich häufig gestellte Fragen und Vorurteile aufgreifen und somit Pro und Kontra abwägen.


Wie weit und lange pendle ich eigentlich? 
Ich pendle fast 100 km von Mannheim nach Mainz mit dem Nahverkehr, also Regionalbahn und Regionalexpress. In den Städten muss man natürlich auch den Weg von der Wohnung zum HBF sowie vom HBF zur Uni einplanen. Von Tür zu Tür muss ich mit 1 ½- 2 Stunden pro Strecke rechnen, also 3-4 Stunden pro Tag.


Wie finanziere ich das?
Die Uni Mainz stellt ein sehr weitreichendes Semesterticket aus, was allerdings nicht ganz bis Mannheim reicht. Daher benötige ich noch ein Anschluss-Semesterticket und bin somit mit allem drum und dran bei 500€ pro Semester. Eigentlich recht günstig, wenn man das auf den Monat runterrechnet und bedenkt, dass man damit den kompletten Nahverkehr nutzen kann.


Warum macht man sowas? 
Ich kenne mittlerweile doch einige Menschen die pendeln und dafür gibt es ganz unterschiedliche Gründe. Meistens ist es, wie bei mir auch, weil man mit dem Partner zusammenwohnen will, der jedoch an eine andere Stadt gebunden ist. Kenne aber auch Leute, die kein Bafög bekommen und deswegen lieber zuhause wohnen bleiben und von dort zur Uni pendeln.


Was sind die größten Nachteile?
Da gibt es leider schon einige. Und dazu gehört für mich nicht mal die Zeit im Zug! Aber das typische Studentenleben und Spontanität ist natürlich nicht wirklich vorhanden. Ich habe meinen Freundeskreis in meinem Wohnort und verbringe nur wenig Zeit außerhalb des Stundenplans in der Uni. Nach Vorlesungen muss ich mich immer sputen, um noch meinen Zug zu erwischen. Da ist meistens nichts mit „noch kurz in die Stadt was trinken“ oder so.


Acht-Uhr-Vorlesungen findet niemand geil, aber wenn man dafür um sechs Uhr los muss ist es natürlich noch ein bisschen ätzender. Ich kann es mir bei meinem Studienfach zum Glück erlauben, den Stundenplan so zu legen, dass ich nicht vor 10 Uhr dort sein muss, ich weiß aber von anderen Fächern wie Chemie, dass 8 Uhr die Regel ist. Sowas sollte man bedenken. 

Phasenweise leidet auch die Ernährung darunter, da stimmt das Klischee. Wenn man sich nicht am Vorabend genug gesundes Essen vorbereitet, ist es sehr wahrscheinlich, dass man sich doch noch schnell bei Ditsch was kaufen wird. Trust me.

Wie verbringt man so viel Zeit im Zug?
Das Praktische am Pendeln mit dem Zug statt dem Auto ist, dass man die Zeit aktiv nutzen kann. Ich muss zum Glück selten umsteigen und hab deswegen 1- 1 ½ Stunden am Stück um zu lesen oder zu lernen. Man ist quasi „gezwungen“ irgendwas Sinnvolles zu machen, wie das Seminar nachzuarbeiten. Diese Zeit hat man sich dann zuhause gespart und kann dort einfach nur noch entspannen. Einfach nur rumsitzen und Zeit verplempern muss ja auch nicht sein. 

Abschließend lässt sich sagen, dass ich es nicht bereue, meinen Weg so gewählt zu haben und ich werde es auch bis zum Abschluss so fortführen. Wenn man kein Problem hat, auch mal einen oder zwei Züge später heimzufahren, kann man das Problem mit dem Studentenleben auch abfangen. Genauso der Ernährungsaspekt.

Ich denke, man muss vielleicht einfach nur ein bisschen organisierter und besser vorbereitet sein, als jemand, der fünf Minuten von der Uni entfernt wohnt. 



Kommentare:

  1. Interessanter Beitrag. Ich pendel auch zur Uni und muss immer 2 Stunden vor Vorlesungsbeginn losfahren und alle, denen ich das bisher erzählt habe, waren super schockiert. Mir macht das aber gar nichts aus, weil ich die Zeit im Zug auch immer zum Lesen nutze und es für mich so nicht verschwendet ist. Klar wäre es angenehmer, näher bei der Uni zu wohnen, aber auf mich trifft der Fall mit dem fehlenden Bafög zu und dann bleibe ich lieber noch entspannt bei meinen Eltern wohnen, statt ständig Stress zu haben, weil das Geld nicht reicht.
    Was das soziale Studentenleben angeht muss ich auch zustimmen, gerade weil die meisten Veranstaltungen abends stattfinden und bei mir der letzte Zug gegen 22 Uhr fährt. Da ist dann nichts mit Partys oder Grillabenden.
    Das Essensproblem habe ich ebenfalls, man will ja eigentlich nicht den ganzen Tag nur Brot essen, aber das ist nunmal am schnellsten vorbereitet und so ergibt es sich dann leider doch oft, dass man sich unterwegs lieber was ungesundes holt.
    Du siehst, ich fühle mich sehr verstanden :D

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    1. Wow, danke für den langen Kommentar! :D
      Irgendwie bin ich immer froh, wenn ich höre, dass ich nicht die einzige Pendlerin bin - eigentlich machen das ja wirklich viele!
      Finde es auch schön zu hören, dass es dir auch wenig ausmacht. Klar gibt es ein paar negative Aspekte, aber es hat ja einen Grund warum man pendelt und der überwiegt das Negative bei weitem.
      Habe auch das Gefühl, dass Leute, die nicht pendeln, das Ganze immer schlimmer finden als ich! Witzig :D

      Liebste Grüße,
      Celine

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    2. Da hast du auf jeden Fall recht. Probleme mit der Bahn sind zum Beispiel immer nervig, aber im Normalfall nicht so tragisch, dass sowas ein Grund wäre, umzuziehen.
      Das stimmt wohl, ich glaube man muss erst mal selbst rausfinden, dass es gar nicht so schlimm ist, wie man zunächst meint. :D

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  2. Hallo liebe Celine!

    Ich bin selbst die letzten vier Jahre auch für mein Studium in ein anderes Bundesland gependelt und das dauerte auch zwei Stunden im Zug hin und wieder zwei zurück. Ein Glück hatte ich mir aber eine Wohnung in der Stadt genommen, deshalb musste ich nur am Wochenende hin und her fahren. Die Zeit im Zug habe ich oft genutzt um zu lesen und wenn nicht, dann wurde meistens mit Freundinnen, die auch pendelten, getratscht oder gelernt. :) Die einzigen negativen Aspekte waren für mich eigentlich nur das frühe Aufstehen (Montags immer um 5 Uhr früh) und die Verspätungen, welche an der Tagesordnung waren. Ich glaube die Wochenenden an denen ich tatsächlich mal pünktlich zu Hause war musste ich mir grün im Kalender markieren. Jetzt bin ich wieder nach Hause gezogen und pendle für mein neues Studium mit dem Auto eine halbe Stunde. Das finde ich voll okay.

    Liebste Grüße
    Nina von BookBlossom

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    1. Hallo Nina, danke für deine Antwort!

      Finde es immer sehr interessant, sowas von anderen zu lesen :)
      Ich glaube auch, dass das frühe Aufstehen und Verspätungen echt die schlimmsten Punkte sind und ich finde, da kann man drüber hinwegsehen.
      Wenn sich das Pendeln grundsätzlich lohnt zumindest. Bzw die Gründe stimmen.

      Eine halbe Stunde ist ja schon fast Durchschnitt :) Wobei ich schon fast finde, dass das eine verlorene halbe Stunde ist, weil man da nichts machen kann außer Autofahren.

      Liebe Grüße zurück!

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  3. Mich nervt pendeln, zumindest wenn ich selbst fahren muss, denn von meinem Hauptwohnsitz zu meinem Arbeitsplatz (Zweitwohnsitz) fährt nur dreimal am Tag, zu ungünstigen Zeiten, ein Bus.
    Während des Studiums zu pendeln wäre nicht gegangen, dass wären pro Tag 8h Zugfahrt gewesen, da war ich ganz froh, dass ich im Ort eine Unterkunft gefunden habe von der ich dann entweder zu Fuß oder mit Auto an die FH kam. Aber wir hatten einige, die eine Stunde oder länger gefahren sind und dann evtl. zu spät kamen oder früher gehen mussten, aber das kannten die Dozenten und haben sich dementsprechend drauf eingestellt.

    Mittlerweile pendel ich täglich mit dem Bus, denn auch unter der Woche habe ich eine Wohnung in meinem Arbeitsort - da ich dual studiert habe, heißt das, ich hatte dreifache Wohnungskosten - und fahre am Wochenende dann nach Hause. Das Bus pendeln ist toll, ich kann dösen, lesen, schreiben oder einfach nur gedanklich an Geschichten arbeiten. Auch wenn es nervig ist, dass ich mittlerweile umsteigen muss, weil sie den Streckenplan geändert haben...
    Das Pendeln von zu Hause zum Arbeitsort ist aber trotzdem nervig und ich musste es letztes Jahr für eine Weile täglich machen. Irgendwann macht die eigene Musik keinen Spaß mehr, für Hörbücher ist man morgens noch zu müde und Radio ist auch irgendwie doof, wenn man Metal hört.

    Ich kann voll und ganz verstehen, wenn Leute abends lieber bei ihrer Familie sind, aber dafür muss auch das Streckennetz stimmen...

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    1. Helloo!
      Ohje, das klingt alles wirklich deutlich komplizierter und umständlicher als bei mir. Acht Stunden täglich pendeln ist natürlich keine Option und die dreifachen Wohnungskosten schockieren mich auch gerade :o

      Das früher kommen oder früher gehen ist bei mir auch bei manchen Stunden der Fall, wenn ich ansonsten ewig auf den nächsten Zug warten müsste. Aber wie du sagst, das wissen die Dozenten und bei uns pendeln SO VIELE, da ist das schon Normalzustand. Trotzdem ätzend wenn ein Seminar wirklich mal interessant ist und man dann früher gehen muss.

      Pendeln mit dem Auto könnte ich mir auch nicht vorstellen. Man hat zwar nicht die Strecken zur Haltestelle bzw Bahnhof aber dafür kann man die Zeit im Auto viel schlechter nutzen..

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    2. Jup, wobei ich grade sehe, dass ich einen Denkfehler drin hatte: 8h Autofahrt, ~10h Zugfahrt, je nach Strecke - die Verbindung ist einfach grottig.
      Die dreifachen Wohnungskosten, hat meine Familie ja zusammen getragen, d.h.
      Wohnung 1 = die meiner Eltern, mein Hauptwohnsitz,
      Wohnung 2 = die Wohnung an meinem Arbeitsort, mein Zweitwohnsitz
      Wohnung 3 = das Zimmer/die Wohnung am Studienort, die meist genauso teuer war wie Wohnung 2...
      Das war trotz Studentengehalt (duales Studium) und Kindergeld nicht einfach...

      Ich find's gut, dass es Dozenten gibt, die sich darauf einstellen, auch wenn die Uni selbst die Pläne nicht entsprechend der Hauptpendler macht/machen kann. ;)

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  4. Hallo Celine,

    ich bin gerade durch deinen Germanistik-Beitrag hier gelandet und freue mich riesig, mal jemanden zu finden, der auch so lange pendelt!:D

    Ich wohne aus diversen Gründen noch zuhause und pendle pro Strecke ca. 2 Stunden zur Uni. Wenn ich das irgendwem erzähle, bekomme ich meist verständnislose Blicke oder werde auch mal als verrückt abgestempelt. Dabei finde ich es, ehrlich gesagt, gar nicht so schlimm. Klar ist man immer an die Fahrtzeiten gebunden und wenn die Bahn nur im 1,5- bis 2-Stunden-Rythmus fährt, ist die Flexibilität nicht so groß, aber ich glaube, durch die Zeit in der Bahn arbeite bzw. lerne ich einfach disziplinierter. Glaube nicht, dass ich so viel, so konzentriert machen würde, wenn ich näher an der Uni wohnen würde.

    Liebe Grüße
    Sarah

    https://www.pergamentfalter.blogspot.de

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    1. Jaaaaa ich freue mich auch immer riesig, wenn ich von so jemandem höre! :D Deswegen danke für deinen Kommentar!
      du sprichst mir 1:1 aus der Seele. Ich finde es auch gar nicht so schlimm, ich lege mir meine Lesezeiten in den Zug und wenn ich richtig motiviert bin arbeite ich im Zug die Vorlesung oder das Seminar nach :D Dann ist es wenigstens noch frisch im Kopf.
      Ätzend ist es echt nur, wenn die Vorlesung um acht beginnt und man um sechs im Zug sitzen muss xD

      Liebe Grüße zurück!

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  5. Liebe Celine,

    ich habe gestern einen Beitrag zu den Vorteilen des Pendelns in meinem Blog veröffentlicht und da wies mich die liebe randompoison auf deinen schönen Artikel hin. Ich kann dich gut verstehen und finde es toll, dass du es durchziehst! Ich habe schon einige Male gedacht, ich mag nicht mehr und habe mich doch immer wieder aufgerafft.

    Ich pendle eine ähnliche Strecke wie du und benötige dafür von Haustür bis Arbeitsplatz etwas über zwei Stunden. Es gehört eine Menge gute Organisation dazu (und das kann ich für mich selbst nicht so gut - für andere schon :-D ) und ich finde es toll, dass du dir dein Studium von der Entfernung nicht vermiesen lässt. Weiter so!

    Viel Freude weiterhin beim Pendeln und liebe Grüße,
    Sandra

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