[Rezension] Aus kontrolliertem Raubbau - Kathrin Hartmann

August 04, 2017


Wie Politik und Wirtschaft das Klima anheizen, Natur vernichten und Armut produzieren.



„Angesichts der Klimakatastrophe ruhen alle Hoffnungen auf der Green Economy, die das Wirtschaften nachhaltig und sozial machen soll. Elektro-Autos statt CO2-Schleudern, Biosprit statt Benzin, Aquakultur statt Überfischung. Subventioniert von der Politik, unterstützt von Umweltorganisationen, ausgezeichnet mit Nachhaltigkeitspreisen. Wirtschaftswachstum und überbordender Konsum, so die frohe Botschaft der sogenannten dritten industriellen Revolution, sind gut für die Welt, solange sie innovativ und intelligent gemacht sind. Die technikbegeisterte Mittelschicht hört das gern.
Doch auch der Rohstoffhunger des grünen Kapitalismus ist riesig: Selbst für nachhaltiges Palmöl, das in Biodiesel und Fertigprodukten steckt, werden Regenwälder gerodet und Menschen vertrieben, wie Kathrin Hartmann in aufrüttelnden Reportagen aus Indonesien zeigt. Ebenfalls schockierend sind ihre Recherchen in Bangladesch: Garnelen aus Zuchtbecken werden mit Öko-Siegeln exportiert, dabei wurden dafür gegen den Willen der Bevölkerung Reisfelder und Mangrovenwälder zerstört. Um den eigenen Hunger zu bekämpfen, zwingt man den Bauern dort Gentechnik-Saatgut auf.
Eine schonungslose Abrechnung mit der Illusion des grünen Wachstums, dem Zynismus von Wirtschaft , Politik und NGO und unserem verschwenderischen Lebensstil.“
- Website des Buches


Im ersten Kapitel war ich noch sehr skeptisch, Hartmann kam mir fast schon zu wütend rüber. Ich hatte Bedenken, dass die Sachlichkeit darunter leiden könnte. Im Laufe des Buches konnte ich ihre Wut aber immer besser nachvollziehen! Das komplette Leseerlebnis bestand aus Schock, Wut, Verzweiflung und Kopfschütteln. Stellenweise konnte ich fast nicht glauben, was da geschrieben wurde und hab mehr als einmal die Quellen geprüft und anderweitig recherchiert.
Leider stimmt alles. 

Wie im Klappentext beschrieben geht es um die Green Economy, grünes Wachstum und grünen Kapitalismus. Und vor allem um die Frage, ob sowas überhaupt möglich ist, bestimmte Dinge fair und nachhaltig zu produzieren. Thematisiert werden „nachhaltiges“ Palmöl, Bio Aquakulturen, Unternehmen mit grünem Image und Gentechnik. Besonders die Palmöl und Aquakultur Kapitel haben mich so geschockt! Die Folgen sind einfach viel schlimmer und weitreichender als man denkt. Und das waren immer die Zustände von bio/nachhaltigen Produkten, da will man gar nicht drüber nachdenken, wie schlimm es bei konventionellen ist. 
Hartmann hat sehr viel recherchiert, auch vor Ort. Es gibt viele Interviews mit Betroffenen Menschen oder aktiven NGOs, die sich gegen solche Zustände richten.
Ihr Schreibstil ist wahnsinnig angenehm, wenn man ein Kapitel angefangen hat will man es auch beenden. 

Ich persönlich musste aber viel mehr Pausen machen als bei anderen Büchern, erstens zum Recherchieren und zweitens zum Verarbeiten. Ich hab ihren Sarkasmus sehr genossen, aber auch ihre Art, Fragen zu stellen, die definitiv zum Nachdenken und vor allem Überdenken anregen. Besonders das letzte Kapitel hat es mir dahingehend angetan. 



Für jeden, der sich für Umwelt und seine Mitmenschen einsetzen will, ein absolutes MUSS! Es beweist einfach sehr gut, dass viele Siegel etc nur für das gute Gewissen gedruckt werden aber eigentlich nichts verändern oder sogar noch verschlimmern. 
Es war schwer und anstrengend sich durch diese unangenehmen Themen zu kämpfen aber ich finde es sehr wichtig, es trotzdem zu tun. Es hängt so viel an jedem einzelnen von uns.



Aus kontrolliertem Raubbau | Kathrin Hartmann | Blessing | Taschenbuch | 01.08.15 | 448 Seiten | 18,99€   
Danke für das Rezensionsexemplar! Hier kommst du zur Verlagsseite oder zur Homepage der Autorin.

Kommentare:

  1. Ahoi!
    Klingt nach einem Buch, das ich lesen MUSS. Ich war lange im Meeresschutz unterwegs und habe mich auch sonst sehr für die Umwelt eingesetzt. Irgendwie ist das ein bisschen eingeschlafen, aber vielleicht hilft mir das Buch, zusammen mit ein paar anderen in meinem Regal, wieder zu meinen Wurzeln zu finden.
    Toll, dass du die Quellen geprüft und selbst auch recherchiert hast. Das mache ich auch bei Büchern, die mir anfangs etwas seltsam vorkommen - oder wenn ich mehr wissen will.

    Kennst du "The Story of Stuff"?

    Cheerio,
    Mareike

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    1. Dann solltest du das Buch wirklich mal lesen, danach hat man definitiv einen Anreiz etwas zu ändern :) Finde es schön, dass du wieder zu deinen Wurzeln zurück willst. Wie hast du dich denn für den Meeresschutz eingesetzt? Ich bin immer auf der Suche nach Idden und Möglichkeiten

      Nein, hab ich noch nicht gesehen aber werde ich definitiv tun, danke für den Tipp! :)

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  2. Danke für diesen Tipp! Wie du im Artikel, durch den ich hier gelandet bin, schon sagtest, werden solche Themen viel zu selten angesprochen und dadurch werde ich auf solche Bücher kaum aufmerksam. Ich finde es aber auch wichtig, da Bescheid zu wissen, auch wenn es sicher keine angenehme Lektüre wird.

    Liebe Grüße!

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    1. Ja genau so geht es mir auch, deswegen werden mehr Rezensionen in diese Richtung kommen. Für die anderen Bücher gibt es ja schon genug Blogger :)

      Und nein, angenehm und unterhaltsam sind solche Bücher leider selten.

      Liebste Grüße zurück!

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